Ein Bild vom
Ludwigstein
Bon Giorno auf Castello Sasso Luigi

Vorweg; Wir waren das erste Mal auf der Burg und ich möchte an dieser Stelle meine ganz persönlichen Eindrücke wiedergeben, die natürlich subjektiv sind und sicher nicht für alle Beteiligten der FAM gelten können. Als ich am Samstag mit zwei skeptischen Kindern und einem gezwungenermaßen mitreisenden Kind (7/10/16) in Langenhagen ins Auto stieg, konnte niemand von uns Vieren ahnen, dass wir eine gute Woche später mit mehr oder weniger Abschiedsschmerz in dasselbe Auto steigen würden, in der festen Überzeugung, im nächsten Jahr unbedingt wieder dabei zu sein. Kurz und gut:
Wir sind infiziert vom Virus „FAM auf dem Ludwigstein“! Schon die herzliche Begrüßung an der „italienischen Grenze“ und die nahezu perfekt inszenierten Grenzformalitäten ließen die Vermutung aufkommen, dass sich hier Menschen ausgiebig Gedanken darüber gemacht hatten, wie sie den Anreisenden den Ausstieg aus dem Alltag und den Einstieg in die „italienische Woche“ leicht machen könnten. Am Ende fühlten sich wahrscheinlich viele wie „kleine Italiener“ - vor allem nach den überzeugenden und witzigen Beiträgen des obligatorischen „Bunten Abends“ am Sonntag. Eine moderne Schneewitchenversion, Tänze, Musik und viel Theater ließen die zwei Stunden wie im Flug vergehen. Überhaupt können die vielen Highlights der Woche hier nicht aufgezählt werden. Das Orgateam um Maike und Dorle hatte alles im Griff. Die Mischung zwischen gelungenem Programm und Zeit für den Einzelnen stimmte einfach. Viele trugen zum Gelingen der FAM bei, wie etwa die fleißigen Kuchenbäcker, die Meuten- und Koboldbetreuerinnen oder auch die Selbstverteidigungsangebote für die Sportfreunde und viele andere Aktivitäten, die ich hier nicht alle aufzählen kann. Ein herzlicher Dank an alle! Fremd waren uns „Neulingen“ zunächst die Rituale der FAM, wie gemeinsames Singen zu Beginn und Ende der Mahlzeiten. Ich habe mir glaubwürdig versichern lassen, dass auch im Rittersaal, der den Jugendlichen und Alleinreisenden ohne Kinder vorbehalten war, gesungen wurde - und das im Zeitalter der Konservenmusik! War erst einmal das anfängliche Befremden überwunden und die Textsicherheit mit der Zeit tendenziell steigend, konnte man selbst meine singfaulen Kinder in den fröhlichen Kanon mit einstimmen hören. Überhaupt begleitete die Musik uns über den ganzen Tag: seien es die Gitarrenklänge beim gemeinsamen Liegen und Kuscheln im Sonnenschein vor der Burg, die Singstunde mit Nele, die Gitarre bei den Wanderungen zu den Habichtsklippen oder der Hasenschanze oder die abendliche Begleitung beim gemütlichen Sitzen und Palavern am glühenden Kamin - die Musik vereinte und öffnete die Herzen. Wer kein Instrument spielte, setzte eben die eigene Stimme ein. Ob Klassik, wie im Madrigalchor, oder E-Gitarre und Schlagzeug, wie Jan und Jörn sie vorstellten - alles war vertreten und hatte seinen Platz. Der Großwandertag mit Besichtigung der Kautabakfabrik in Unterrieden, die Meutenaktivitäten, das Kletterangebot, die Bastelideen, die „Cafeteria“, das Highlight „Italienische Nacht“ - diese vielen liebevoll gestalteten und durchgeführten Angebote können hier nicht alle gewürdigt werden, obwohl sie es wert wären. Wer aber Genaueres erfahren möchte, kann sich ja bei unserem rasenden Reporter Kalle mit Hilfe der fast täglich erschienenen Zeitung erkundigen. Hier könnte man auch erfahren, was es mit der „Zeitungsente“ auf sich hat. In diesem Zusammenhang hat mich im übrigen die Art der Konfliktlösungskultur - nämlich der rege Austausch am Schwarzen Brett - fasziniert.
Eine Feststellung liegt mir persönlich außerdem sehr am Herzen. Ich habe es noch nie erlebt, dass sich so viele Generationen - angefangen von der betagten Großmutter bis hin zum 4 Monate alten Baby - über 130 Menschen! - auf engem Raum so tolerant begegnet sind. Einzigartig war von meinem Ausguck aus auf der Vorburg zu beobachten wie die Generationen sich mischten, wie Jugendliche den Kleinen das Spiel mit Boulekugeln oder dem Diabolo beibrachten oder wie sie selbstverständlich miteinander an den abendlichen Tänzen teilnahmen. Die Älteren nahmen an den Aktionen der Jüngeren teil, auch wenn es sich „nur“ um ein gemeinsames Freuen oder Lachen über dieselben Erlebnisse handelte. Der freiheitliche Geist der Jugendbewegten und die Toleranz gegenüber dem Individuum, egal, welche äußere Hülle es trägt, scheint sich also bis heute erhalten zu haben und gar die Fähigkeit zu besitzen, auch andere, denen das bisher fremd war, damit anzustecken. Wie viele Ideen sind bei uns geweckt worden, wie viel Neues haben wir gesehen. Kreativität ist ansteckend, so zumindest äußerte sich mein 16-jähriger Sohn. Diese Erfahrung und die Erinnerung an das intensive Gruppenerlebnis werde ich mitnehmen.
Auch wenn das Osterfeuer in diesem Jahr kalt und verregnet endete, so war dies der einzige Wermutstropfen dieser Woche, sonst war das Wetter einfach supertoll und das Leben spielte sich mehr draußen ab als in der Burg. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Familienwoche, bei der wir hoffentlich die neu gewonnenen Freunde alle wieder sehen werden.

Carmen Weiß


Mit den Kobolden auf der Burg

Eigentlich gehörte ich ja schon zum „alten Eisen“, denn ich war selbst das erste Mal auf der Burg mit ca. 8 Jahren und nun komme ich schon fast 30 Jahre mehr oder weniger regelmäßig zur Familienwoche Ostern auf die Burg. Es gibt aber trotzdem immer wieder etwas Neues und so übernahm ich dies Jahr die Leitung einer „Meute“, nämlich die „Kobolde“.
Mit 11 Kindern im Kindergartenalter wollte ich mich vormittags „vergnügen“. Viel in die schöne Natur rund um die Burg sollte es gehen. Wir wollten entdecken, spielen, singen und auch aktiv etwas bauen.
Am ersten Vormittag begleitete mich die Schnecke „Schneck“ (eine Handpuppe), die die Kinder begrüßte und uns alle vorstellte. Saskia, Lena, Julia, Katharina (Tinka), Lucy und lan kannte ich schon aus den letzten zwei Osterwochen. Laila, Catharina, Ole, Conrad und Matthias kamen neu in die Gruppe der Kobolde hinzu. Wir verteilten Lupenbecher, um ganz viel kleines Krabbelgetier, Blumen etc. genauer betrachten zu können und dann zogen wir los. Die Sonne lachte auf uns herunter und blieb uns bis zum Samstag auch treu. Wir wanderten ein kleines Stück den Burgberg hinunter, begleitet von einigen Eltern und ließen uns auf einer Wiese nieder. Zuerst machten wir ein kleines Spiel zum Kennen lernen, was einige noch etwas zögerlich mitmachten. Dann begannen wir unser „Waldsofa“ zu bauen. Dazu mussten wir viele Stöcke sammeln, die wir dann in einen Kreis legten und immer weiter ausstaffierten bis eine Art Sitzpolster entstand. Dieses „Waldsofa“ war jeden Tag unser Treffpunkt, wo die Kobolde ihre mitgebrachten Leckereien aufteilten und aßen. Es war herrlich, mitzuerleben, wie die Kinder gebannt schauten, was der andere mitgebracht hatte und wir dann gemütlich zusammen saßen und alles verspeisten. Für die Kinder war dieser Teil des Vormiffags ganz wichtig.
Jeden 2. Tag gingen wir vor dem Mittagessen noch in Begleitung der Eltern in das burgeigene Schwimmbad. Auch dort hatten die Kinder viel Spaß, mit ihren Eltern zu toben, zu plantschen, tauchen oder die ersten Schwimmversuche zu machen. Für die Kinder, die nach dem Mittagessen keinen Mittagsschlaf mehr machten, bot ich eine stille Beschäftigung an. Wir malten viele schöne Bilder, lasen vor und kuschelten mit Stofftieren auf Isomatten und Decken, während wir Märchen und Geschichten lauschten.
Kurz vor dem Abendbrot trafen wir uns noch einmal im Saal, um mit Petra zu tanzen. Dies war eine bunte Mischung aus Singspielen und einfachen Volkstänzen, und es entstand eine kleine Geschichte über die Wanderung der kobolde, die wir mit Hilfe von Kirsten und Barbara am Ostersonntag beim Kaffeehausnachmittag vorspielten.
Am Ende der Woche bastelten wir noch Laternen mit denen wir dann gemeinsam am leider sehr verregneten Samstagabend zum Osterfeuer zogen. Es war schön, zu erleben, wie im Laufe der Woche die Kinder sich immer sicherer in ihrer Gruppe bewegten, wie Freundschaften entstanden und ich als Ansprechpartner akzeptiert und aufgesucht wurde, um mir Dinge zu erzählen oder zu zeigen. Ich hoffe, es hat allen Kobolden genau so viel Spaß gemacht wie mir, und dass sich alle ebenso doll auf die nächste Osterwoche freuen wie ich!

Anne Zölllck

Aus: Ludwigsteiner Blätter, 2/2003


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