Ein Bild vom
Ludwigstein
Familienwoche vom 26.3. - 4.4.1994

Nicht nur die Kinder freuten sich schon lange auf diese besondere, vor-österliche Woche. Und nun war sie da!
Aus allen Himmelsrichtungen rollten die mit Kindern, Jugendlichen, Musikinstrumenten und Klamotten vollgestopften Autos, viele auch mit Zügen, an. Gut, daß wir die Hilde mit dem fahrbaren Untersatz haben, wie sonst sollten Ullas Kuchen den Burgberg hinauf kommen. Die Wiedersehensbegrüßung herzlich und laut wie üblich. Dank Friedesines guter Vorbereitung klappt es mit dem Schlafquartier problemlos. Wir haben wieder ein Zimmer mit Ausblick zum Hanstein; so romantisch.
Der Tagesplan, auch schon von Sonntag (sieben Uhr Wecken, aber mit Musik) hing am Schwarzen Brett.
18 Uhr Abendessen, erst anschließend Begrüßung, mit Rücksicht auf die Küche und die Hungrigen. Die Zeiten müssen schon eingehalten werden; bei ca. 150 Familienwöchnern aus vier Generationen, die mit großer Erwartung und Neugier kamen. Wir lernen auf Kleine und Große, Junge und Alte Rücksicht zu nehmen und sie zu akzeptieren. Wir lernen auch von der Jugend, die so zahlreich vertreten ist. Denn sie hat neue Ideen, muß im Beruf und Studium flexibel sein. Doch auch die Traditionen und Ansichten der Wandervögel werden nach Aussprachen respektiert. Wir wollen auf dem Ludwigstein eine Demokratie leben, wie sie eigentlich sein sollte. Das ist oft noch ein Lernprozeß, aber im täglichen Leben auch gut anwendbar.
Friedesine braucht nicht erst zu üben, ihre Stabpuppen boten uns schon Sonntag ein Stück vom ehrlichen Kasper und klugem, gestiefeltem Kater. Aber die größte Freude der Kinder war selbst eine Puppe zu basteln und zu behalten.
Aber nun begann auch der Ernst des Übens. Das große und kleine Orchester bei Angela. Beim Singen brachte uns Igor mit launigen Atemübungen in Schwung. Neu die Lieder: der fiebernden Biber und des flüchtenden Kängeruhs; konnten die Kinder wieder drollig darstellen. Auch das Sauwetterlied war angebracht.
Doch 0 Wunder!!! Mittwoch der große Wandertag, zum Sababurg-Urwald und Tierpark. Die Sonne begleitete uns den ganzen Tag durch die großzügigen Anlagen.
Jeden Tag wieder Tanz für die Kinder, die Jugend und wer sich sonst noch fit fühlte. Maike und Kalle brauchten viel Geduld und lautstarke Stimmen. Es ging schon oft hoch her. Etliche mußten sich im Schwimmbad abkühlen.
Für das Märchen Schneewittchen suchte Ulla verzweifelt Darsteller und Sprecher. Zuerst waren nur die Zipfelmützen da, die Kinder verstreut beim Wandern, Schwimmen, Basteln.
Karfreitag begann mit einer Andacht, die Bärbel, in sehr kleinem Kreis gestaltete. Sind sich die Ludwigsteiner in dieser nur christlichen Aussage nicht einig? Wie war es früher; wie sollte es sein?
Am Nachmittag dann das große und kleine Orchester, mit Stücken von Haydn, Händel, W.A. Mozart. Es war wieder ein voller Erfolg! Auch der Madrigalchor ließ sich mit vier weltlichen Liedern hören.
Am Abend war auch die Leinwand für das Schattenspiel da und fast alle mitwirkenden Kinder. Das Märchen Schneewittchen (modern) mit Ullas Ideen, Versen und Kulissen; einfach großartig dargestellt. Nun konnte sie wieder ruhig schlafen.
Nicht zu vergessen: Drei Jubiläen waren angesagt:
1. Unsere Friedesine wurde im vergangenen Juli 70 Jahre.
2. Friedesine 40 Jahre Puppenspielerin.
3. Friedesine 10 Jahre Gestaltung und Leitung der Familienwoche. Ist schon bewundernswert!
Ehrung mit Variationen von namhaften Künstlern des "Happy-Birthday-Songs"! Von unseren bewährten Orchestermitgliedern gespielt. Sonnabend noch einmal Aufruf zum Holzsammeln, der Scheiterhaufen wurde aufgestapelt. Man hatte aber noch etwas Muße für die Lieblingsaktivitäten. Gipsmasken wurden gegossen, auch noch einige Zinnfiguren. Teig für Stockfladen wurde geknetet, in Vorfreude auf das Osterfeuer. Bei Christiane wurden noch Bilder fertig gemalt.
Um 20 Uhr Abmarsch, mit gebastelten Laternen und Fackeln, zum Feuerplatz. Das Feuer kam, trotz aller Nässe und Qualm, wieder hell zum Lodern. Die Strohpuppe Winter konnte sich nicht lange halten, sie verglühte ins Nichts.
Nach der langen Nacht der Winteraustreibung, zeigte sich doch wieder der Morgen des Ostersonntags (einmal ausschlafen).
Wir begannen mit einem gut vorbereiteten Brunch. Es schmeckte köstlich! Ein Lob für die Küche! Sie hatte uns schon die ganze Woche verwöhnt, doch das kalte und warme Buffet übertraf alles.
Nachmittag Wienerkaffeehaus. Wieder unsere Musiker mit Variationen des Donauwalzers. Der Madrigalchor sang nach Carl Orffs "Odi" eine Kaffeewerbung. (Ein Klopfer)! Die Comediensänger tönten: "Ich brauche keine Millionen" und noch andere Oldies.
Nun kam der bunte Abend unter dem Motto: "die Muppetshow", Felix begrüßte uns gebührend, aber die Pannen folgten; ob echt oder vorgetäuscht. Die Meckerer, wie immer in der Loge. Kermet, köstlich grün, hüpfte aufgeregt über die Bühne. Miss Biggi, viel zu schlank und schön, fand kein Gehör bei ihm. Zwei Schwestern, nach Wilh. Busch, bekamen ihre verdiente Belohnung. Die fleißige den Königsohn, die Mondäne den Wassergeist. Es ist eben doch alles nur Theater! Die schwarzweiße Kuh erheiterte uns immer wieder mit ihrer so treffenden Mimik. Die junge Jugend tanzte und sang den Chickentanz. Zwei Männer badeten in der falschen Wanne. (nach Loriot). Ich glaube es waren noch einige Sachen mehr, aber vom Lachen und Applaudieren war ich schon ganz durcheinander. Durcheinander war am nächsten Morgen auch unser Reisegepäck. Jede Menge Fundsachen!
Auf dem Burghof erklangen die Abschiedslieder.
Wir kommen bald wieder!

Hilde Langenkamp

Aus: Ludwigsteiner Blätter, 3/1994


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