Ein Bild vom
Ludwigstein
Familienwoche I

Da war es wieder, das Kribbeln im Bauch, das immer - kurz bevor man den Ludwigstein sehen kann - auftritt. Friedesine hatte ihr Amt nun endgültig niedergelegt. So waren wir - Dorle Wiechmann und Maike Wicke - jetzt allein verantwortlich. Obwohl wir mit einem einsatzfreudigen Team alles geplant und organisiert hatten, waren wir doch gespannt, ob die Woche ohne Pannen abläuft. Natürlich möchten wir die Fam 1 im wesentlichen, bis auf kleine Änderungen und Ergänzungen, so weiterführen wie bisher.
Der Anreisetag war wie immer sehr turbulent. Kaum hatten Dorle und ich die letzten Belegungsprobleme gelöst, begann der Ansturm auf die Anmeldung. Großes Hallo bei den bekannten, eine neugierige Begrüßung bei den neuen Gesichtern. Bis zum Abendessen waren wir ca. 130 Personen und darunter über 40 neue Teilnehmer!
Am Sonntag ging es dann mit dem Programm gleich richtig los. Das traditionelle Puppentheater brachten in diesem Jahr Erika und Hans auf die Bühne. Es war ganz anders als bei Friedesine, aber es war sehr schön. Viel neues gab es bei den Arbeitsgemeinschaften, besonders im sportlichen Bereich. Bei dem Vorschlag Mountainbiking anzubieten, war ich zunächst etwas skeptisch. Aber es gab tatsächlich einige Teilnehmer, die die Anstrengung nicht scheuten und ihre Fahrräder mitbrachten. Immer wieder bezwangen sie die bergige Landschaft, um dann erschöpft aber begeistert zur Burg zurückzukehren. Ebenfalls neu war die Idee, eine Kanutour zu unternehmen. Schon im Vorfeld gab es sehr viele Anmeldungen dafür. An zwei Tagen wurde im Schwimmbad das Paddeln und "Nichtertrinken" geübt. Leider mußte die Tour auf der Werra ausfallen, denn wir hatten fast jeden Tag Schnee und so war es einfach zu kalt. Eine ganz andere Gruppe suchte sich die wenigen Zeiträume, in denen das Schwimmbad noch frei war. Figurenschwimmen nach Musik war angesagt. Nach dem graziösen Eintauchen wurde unter fachkundiger Anleitung immer wieder die Ausführung unterschiedlicher Figuren geübt. Es war schon beachtlich, was die acht Schwimmerinnen ohne Vorkenntnisse in so kurzer Zeit vollbracht haben. Sportlich ging es auch nachmittags im Meißnersaal zu. Etwa 20 Frauen und Mädchen übten die Selbstverteidigung. Am Anfang waren wir noch etwas zaghaft, aber dank des guten Unterrichts wurden wir mit jeder Stunde sicherer. Unsere Begeisterung ließ sich auch durch die vielen blauen Flecken nicht dämpfen. In der letzten Übungsstunde gingen wir dann richtig hart ran, was besonders Thomas unangenehm zu spüren bekam. Das Thema dieser Woche, Schiffahrt, wurde schon bei den Werkangeboten umgesetzt. Während die Kinder Boote aus Bechern bastelten, bauten einige ältere funktionstüchtige Segelschiffmodelle aus Holz. Das Europazimmer wurde zur Töpferstube, in der wahre Kunstwerke entstanden. Großen Anklang fand die Mal- und Bastelstube im Schneehagenzimmer. Dort entstand auch unsere wunderschöne neue Familienwochenfahne. Dies ist nur ein Teil der vielen Angebote neben Wandern, Tanzen und Singen. So konnte wohl niemand über Langeweile klagen.
Der Mittwoch ist unser Großwandertag. In diesem Jahr ging es auf unterschiedlich langen Strecken nach Lindewerra. Im Dorfgemeinschaftssaal ließen wir uns eine deftige Suppe schmecken und danach besichtigten wir in kleinen Gruppen das Stockmachermuseum.
Am Karfreitag findet sich immer ein kleinerer Kreis zu einer besinnlichen Andacht zusammen. Nachmittags lauschen wir dann dem Orchester. Am Abend aber, gehört die Bühne den Kindern. Wir waren erstaunt, wie ausdrucksstark sie spielten, das Publikum war begeistert.
Das traditionelle Osterfeuer folgte am Samstag. Mit selbstgebastelten Laternen und einigen Fackeln zogen wir am Abend zum Feuerplatz. In den umliegenden Dörfern sah man schon den rötlichen Schein der vielen Osterfeuer. Bis unser Holzstoß allerdings richtig brannte, mußten wir fast eine geschlagene Stunde warten. Der "Winter" war sehr hartnäckig, bis er sich endlich austreiben ließ.
Der Höhepunkt des Ostersonntages ist der "Bunte Abend". Mit etwas Verspätung traten wir unsere Kreuzfahrt an. Auf dem Traumschiff MS Berlin wurden wir vom Kapitän persönlich begrüßt. Bei Beginn der Fahrt gab es zunächst eine Einweisung zu den Sicherheitsvorkehrungen auf Deutsch und Japanisch. Es folgten jede Menge Attraktionen an Bord und bei den Landgängen. Der Überraschungsstargast an Bord war Howard Carpendale, alias Steffen Klemens. Mit "Hello Again" ließ er sein Publikum dahinschmelzen. Zum Ausklang der Kreuzfahrt sang der Jugendchor, und bei Musik und Tanz liefen wir wieder in den Heimathafen ein.
Lange saßen wir in dieser letzten Nacht am Feuer im Speisesaal zusammen. Es fiel uns schwer, ins Bett zu gehen, denn am nächsten Tag hieß es Abschied nehmen.
Es war eine sehr harmonische Woche und dazu haben alle beigetragen! An dieser Stelle möchte ich Dank aussprechen. Niemals wurde uns die Bitte um Mithilfe abgeschlagen. Das ist heute in unserer Gesellschaft leider nicht mehr selbstverständlich. Um so schöner ist es zu erleben, daß es das Gefühl für Gemeinschaft doch noch gibt. Auch viele der "Neuen" waren bereits in ihrer ersten Familienwoche sehr tatkräftig.
Danken möchten wir auch den vielen großzügigen Spendern. Durch deren Hilfe konnten wir die Kosten pro Person um einiges reduzieren, was besonders die großen Familien entlastete. Vielleicht werden wir ja auch in Zukunft auf diese Weise unterstützt? Wir würden uns sehr darüber freuen!
Uns hat nicht nur die Veranstaltung selbst, sondern auch die Organisation viel Spaß gemacht. Deshalb hoffen wir, die Familienwoche noch lange weiterführen zu können.

Maike Wicke

Aus: Ludwigsteiner Blätter, 3/1996


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